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Veränderungsbereitschaft beginnt im wahrsten Sinne im Kopf: Growth und Fixed Mindset

Wir begleiten seit Jahrzehnten mit Veränderungsvorhaben und Wandel in Unternehmen. Und sie haben alle eines gemeinsam: Innerbetriebliche Veränderung oder Wandel ist erheblich von der persönlichen Entwicklungsbereitschaft und Haltung jedes Einzelnen, bzw. ihrem Growth- oder Fixed Mindset abhängig.

 

Ob eine Veränderung oder eine Kulturentwicklung eine Erfolgsgeschichte wird, ist kaum den Führungsmitgliedern, Branche, der Unternehmungsgrösse oder dem Alter der Mitarbeitenden geschuldet.

 

Der Erfolg für Change oder Transformationen ist die ganz individuelle Offenheit, sich auf Veränderung und Neues einlassen zu können. Waren die Teilnehmenden in unseren Workshops aufgeschlossen und neugierig, beherzigten sie Gelerntes gleich in der Praxis auszuprobieren, liess die Veränderung nicht lange auf sich warten, beflügelte durch Erfolgsmomente, lehrte bei Fehlern  und machte auf ansteckende Weise Lust auf mehr.

 

Es war die Psychologin Carol S. Dweck, die das Verständnis schaffte, dass Menschen eher zu einem Fixed oder Growth Mindsets tendieren. Ganz besonders deutlich würde dies im Zusammenhang mit dem Versuch, etwas Neues / Anderes auszuprobieren und der Befürchtung, dabei Fehler zu machen oder ein unverhofftes Ergebnis zu erhalten.


Sie fand heraus, dass Menschen mit einem Growth Mindset bei einem gescheiterten Versuch von etwas Neuem, bzw. bei Fehler, eine erhöhte Gehirnaktivität aufweisen – insbesondere in Bereichen, die mit dem Lernen und der Fehlerkorrektur in Verbindung stehen. Sie sehen Fehler als eine Gelegenheit zum Lernen und zur Verbesserung und aktivieren sich sozusagen.

Im Gegensatz dazu, neigen Menschen mit einem Fixed Mindset dazu auf Fehler mit weniger Gehirnaktivität in den Lern- und Korrektur-Bereichen zu reagieren, was darauf hindeute, dass sie Fehler eher als eine Bedrohung ihrer Fähigkeiten oder ihres Selbstbildes ansehen und blockierter sind.

 

Da stellt sich die Frage: Ist mein Verhalten soz. der Unteraktivität meines Gehirnes geschuldet? Oder ist der Auslöser und mein  Verhalten ohnehin meiner Gehirnaktivität geschuldet?

 

Das sind Fragestellungen und Hypothesen, an die wir uns nicht heranwagen und der Forschung überlassen. Denn klar ist, dass die unterschiedlichen Verhalten dieser Gehirnaktivitäten, zu unterschiedlichen Eigenschaften und Verhalten führen. Doch richten wir den Blick zunächst auf das, was weniger komplex und klarer ist. Auf den Unterschied zwischen Fixed und Growth-Mindset.

 

Entweder, ich kann etwas gut oder nicht

Das Fixed Mindset bezieht sich auf die Überzeugung, dass unsere Fähigkeiten und Intelligenz grundsätzlich festgelegt sind, und dass wir wenig tun können, um sie zu verändern. Menschen mit einem festen Denkansatz vermeiden oft Herausforderungen, fühlen sich unbehaglich bis ängstlich zu scheitern, Fehler zu machen oder Veränderungen in Kauf zu nehmen. Das wiederum wirkt sich für Unternehmen, die sich für eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit oder Technologie entscheiden, kontraproduktiv aus.

 

Ich kann meine Fähigkeiten durch Anstrengung und Übung verbessern

Dem gegenüber steht das Growth Mindset, das die Überzeugung vertritt, dass unsere Intelligenz und Fähigkeiten durch Anstrengung, Lernen und Ausdauer, geformt und entwickelt werden können. Menschen mit einem Growth Mindset sehen Herausforderungen als Chancen zum Wachsen, nehmen Fehler als Teil des Lernprozesses wahr und suchen verschiedene Wege um ihre Ziele zu erreichen.

 

Und wie in allem, verfügen wir je nach Situation, alle von beiden Haltungen. Oder anders gesagt, das Fixed Mindset ist nicht permanent aktiv; andernfalls würde man wahrscheinlich niemals die Motivation finden, überhaupt etwas im Leben umzusetzen. Stattdessen wird es, wie jedes Verhaltensmuster, durch bestimmte Situationen ausgelöst.

 

Und: diejenigen, die ein Fixed Mindset an sich erkennen, können daran arbeiten, diese auf die Growth-Seite zu entwickeln. Hier unsere Tipps dazu.

 

Grundsätzlich gilt dabei, dass man an der Haltung arbeiten und Denkmuster durchbrechen kann, sobald man erkennt, welcher spezifische Auslöser das eigene Denken beeinflusst. Ist das einfach? Nein – Arbeit an der eigenen Haltung ist stets eine anspruchsvolle Herausforderung und fordert viel Geduld und realistische Eigenwahrnehmung. Doch gelingt es dir oder deinem Team möglicherweise leichter mit der Kenntnis von folgenden Praxistipps.

 

  1. Selbstreflexion

Zunächst empfehlen wir, sich selbst realistisch und nicht idealistisch einzuschätzen.

Beginne damit, deine eigenen Überzeugungen und Einstellungen zu beobachten, analysieren. Wann reagierst du oder denkst du, wie? Notiere deine Beobachtungen während z.B. einer Woche. Bist du grundsätzlich dazu geneigt, in festen Strukturen zu denken oder siehst du Herausforderungen als spannende Möglichkeiten zum Lernen? Klar gibt es stets auch Mischformen, doch in den Grundzügen haben wir eher eine Tendenz, die überwiegt. Diese gilt es zu entdecken. Hilfreich ist auch Feedback durch das Umfeld zu holen, Familie, Freunde, Team, Vorgesetzte. Wie nehmen sie dich wahr? Hole dir Feedback und vergleiche die Aussen und Eigenwahrnehmung für eine realistische Einschätzung, welcher Typ du tendenziell bist.  

 

  1. Verändere deine Denkweise

Es ist einfach gesagt, dass man seine Denkweise verändern kann. Wir raten dir daher, dass du möglichst im Kleinen startest. Um Raum für Verbesserung und Weiterentwicklung zu schaffen, Wähle ein typisches Beispiel, dass dein Fixed Mindset unterstreicht. Zum Beispiel verstehst du das Prinzip des Feedbacks, aber wenn du Feedback erhältst, fühlt es sich wie Kritik an und du kaust lange daran herum.

 

Stelle dich dem Feedback aus der Komfortzone heraus. Frage deine Vertrauenspersonen in deinem privaten Umfeld um 3 gute Eigenschaften und etwas, woran du arbeiten solltest. Wiederhole das bspw. wöchentlich und nach einem Monat erweiterst du den Kreis auf eine Vertrauensperson im Geschäft und fragst auf die gleiche Art und Weise nach Feedback.
So gewöhnst du dich schrittweise etwas zu tun, was dir bisher Unbehagen bereitete und anerkennst, dass deine Intelligenz und Fähigkeiten nicht in Stein gemeisselt sind. Aktiviere deinen Geist, um Herausforderungen als Gelegenheiten für persönliches Wachstum zu betrachten.

 

  1. Betrachte Fehler als Lernmöglichkeiten

Akzeptiere, dass Fehler Teil des Lernprozesses sind. Analysiere sie, lerne daraus und setze das neu gewonnene Wissen in der Zukunft ein, indem du sie auch transparent machst. Ein spielerischer Ansatz, Scheitern oder Fehlern transparent zu machen, psychologische Sicherheit wachsen zu lassen, bieten sog. FuckUp-Events, auch Faily-Tails.

 

  1. Fokussiere dich auf den Lernprozess

Statt dich an Ergebnissen zu orientieren, versuche dich auf den Prozess des Lernens zu konzentrieren. Das gelingt dir einfacher, wenn du die Anstrengung, die du in eine Aufgabe investierst, genauso wichtig erachtest, wie das Ergebnis. Damit anfangen lässt sich einfacher, wenn du bspw. dich einfach auf anders lautende Argumente und Herangehensweisen einlässt und dir vornimmst, neue Blickwinkel daraus zu gewinnen (und das am Schluss auch als Feedback wertschätzt).

 

  1. Umgebe dich mit Menschen mit einem Growth Mindset

Menschen in deinem Umfeld können einen grossen Einfluss auf deine Denkweise haben. Umgebe dich proaktiv mit Menschen, die ein Growth Mindset vorleben, fördern, inspirieren und dir damit Raum für deine psychologische Sicherheit schaffen.

 

Schliesse den Kreis deines Entwicklungsprozesses, um es gleich wieder für deine persönliche Weiterentwicklung zu nutzen. Frage erneut nach Feedback, diesmal auf die Frage, ob Veränderungen an deinem Verhalten wahrnehmbar sind.

 

Doch sei auch fair zu dir und lass dir Zeit für deine Lernreise und Entwicklung.

Die Entwicklung eines Growth Mindsets erfordert Zeit, Anstrengung und bewusste Selbstreflexion. Indem du deine Denkweise proaktiv veränderst, Herausforderungen durch das veränderte Tun annimmst und aus Fehlern lernst, kannst du nicht nur dein persönliches Wachstum fördern, sondern auch erfolgreichere Wege im beruflichen und persönlichen Leben beschreiten. Es ist nie zu spät, die Kraft des Growth Mindsets zu entfalten und die Tür zu neuen Möglichkeiten für dich und deinen Arbeitgebenden zu öffnen.

 

Unternehmen tun sich gut darin, aktiv die eigene Reflexionsfähigkeit der Mitarbeitenden im Arbeitsalltag durch Agile Coaches, Feedback/-forward, Retrospektiven etc. zu entwickeln. Dementsprechend sollte sich kein Unternehmen erlauben, sich nicht mit der Einstellung der Mitarbeitenden gegenüber Neuem oder Veränderung auseinanderzusetzen.