„Ich mache das später.“
Ein Satz, den wir immer häufiger hören – bei Kund:innen, in Projekten, im Teammeeting und nicht selten auch bei uns selbst. Aufschieberitis, oft scherzhaft gemeint, ist längst ein ernstzunehmendes Phänomen unserer Arbeitswelt geworden.
Zwischen steigender Komplexität, permanentem Wandel und dem Anspruch, alles richtig zu machen, bleibt Handlung oft auf der Strecke. Gerade zum Jahreswechsel wird das sichtbar: grosse Ziele, gute Vorsätze – und wenig Bewegung.
Spannend ist der Blick nach Japan. Dort wird Aufschieberitis (teilweise sogar als „Faulheit“ verstanden) nicht moralisch bewertet, sondern als Zustand verstanden, dem man mit klaren Denkweisen begegnet. Viele davon kennen wir aus dem Qualitätsmanagement, aus Kaizen, aus Prinzipien und Praktiken der agilen Arbeitswelt – und aus dem, was wir bei Size Consens täglich (vor-)leben.
Was ist Ausschieberei, auch Prokrastination genannt also?
Es ist ein Signal.
Für fehlenden Sinn.
Für zu grosse Schritte.
Für zu viel Lärm.
Für Unsicherheit vor Unvollkommenheit.
Die gute Nachricht:
Wir geben dir unten 7 Gegenmittel – aus Kaizen, aus dem Qualitätsmanagement, aus agilen Ansätze von New Work. Und wir wenden sie bei Size Consens täglich an: pragmatisch, menschlich, wirksam.
Vielleicht ist das der beste Vorsatz für das neue Jahr:
Nicht mehr vornehmen – sondern anfangen. In einer Minute.
Viel Erfolg dabei und lasst hören, wie eure Erfahrungen dazu sind / waren.
1. Kaizen-Regel: Die 1-Minuten-Regel
Fange so klein an, dass dein Gehirn nicht widerstehen kann.
Eine Liegestütze. Eine Minute mehr oder weniger. Ein Satz in einem Dokument.
Harvard-Forschungen zeigen: winzige Gewohnheiten umgehen mentalen Widerstand. Unser Gehirn liebt Fortschritt – nicht Perfektion. Sobald Bewegung da ist, entsteht Schwung.
- QM-Gedanke: Kontinuierliche Verbesserung schlägt den grossen Meilensteinplan.
- New-Work-Realität: Kleine Experimente sind nachhaltiger als ausgeklügelte Konzepte.
2. Ikigai – der Grund aufzustehen (mein Favorit)
In Japan fragt man weniger: Was machst du?
Sondern eher: Warum stehst du morgens auf?
Studien und Erfahrungen aus der neuen Arbeitswelt zeigen klar:
Wer Sinn in seiner Tätigkeit erkennt, hat mehr Energie, mehr Disziplin und weniger Aufschiebeverhalten.
Bedeutung für Unternehmen:
Start with the Why – wenn Aufgaben, Veränderung, Prozesse, Rollen und Ziele keinen Sinn stiften, entsteht Reibungsverlust. Sinn ist kein „Nice-to-have“, sondern ein Produktivitätsfaktor.
3. Hara Hachi Bu – bei 80 % aufhören
Nicht nur beim Essen, sondern auch bei der Arbeit.
Überforderung, Überessen, Überoptimierung – sie töten Fokus, Stimmung und Antrieb. Japanische Senior:innen bleiben aktiv, weil sie aufhören, bevor sie voll oder mental überlastet sind.
Forschung verbindet leichtere Verdauung (physisch wie mental) mit besserer Energie und Klarheit.
- QM-Perspektive: Belastungsgrenzen erkennen ist Teil von Qualität.
- New Work: Pausen sind kein Stillstand, sondern Voraussetzung für Leistung.
4. Seiri & Seiton – Freiraum schaffen
Ein unordentlicher Raum erzeugt mentales Rauschen.
Kennt ihr das?
In der japanischen Kultur wird Unordnung wie Verschmutzung behandelt. Und das gilt nicht nur für Schreibtische, sondern auch für digitale Räume.
Dein Feed erzeugt ebenfalls mentales Rauschen.
Folge Menschen und Inhalten, die dich wirklich weiterbringen – nicht nur beschäftigen.
5. Kintsugi – wenn Aufschieben Angst ist
Aufschieberei versteckt sich manchmal hinter der Angst vor Versagen.
Kintsugi lehrt: Fehler sind keine Fehler – sie sind Teil der Geschichte und deines Fortschritts.
Psychologisch belegt: Abschluss erzeugt Schwung. Perfektion tut es nicht.
Beende Dinge. Passe später an.
QM-Denke: Iteration statt Illusion.
New Work: Lernen passiert im Ausprobieren und nicht Warten. Ausserdem gilt das Prinzip: stop starting, start finishing.
6. Pomodoro – japanisch gedacht
25 Minuten Fokus – 5 Minuten Pause.
Erweitere die Technik um ein Ritual: ein Atemzug + eine Geste + ein Klang.
Das Gehirn lernt dieses Signal beim nächsten Ausführen und schaltet auf Fokus.
Neurowissenschaftlich nennt man das Konditionierung. Und ja: es funktioniert erstaunlich schnell.
7. Wabi Sabi – Handeln vor Perfektion
Warte nicht auf ideale Bedingungen. Sie bewegen sich mit dem, was da ist.
Denn Perfektion verzögert Handlungsfähigkeit – Bewegung schafft Annäherung (zur Klarheit.)
Ein harter, aber ehrlicher Gedanke zum Jahreswechsel: Die meiste Aufschieberei ist Angst, die sich als Geduld tarnt.
New Work: die Begründung für Agilität basiert auf dieser These, in unser planungsinstabileren Arbeitswelt.

