ISO 9001:2026 Klimawandel – so setzt du auditsicher um

Mit dem Amendment 1:2024 hat die ISO bereits klargestellt, was mit der Revision ISO 9001:2026 weiter an Bedeutung gewinnen wird. Einer der Themen, die insbesondere in Dienstleistungen in Frage gestellt werden, ist das Thema Klimawandel. Denn die neue Anforderung lautet sinngemäss,  dass Unternehmen sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Kontext und ihre interessierten Parteien auseinandersetzen müssen. 

Schon die produzierende Industrie diskutiert den Punkt unterschiedlich. Für  Dienstleistungsunternehmen stellt sich entsprechend die Frage, ob die neue Anforderung überhaupt relevant ist, da weder produziert noch energieintensive Anlagen betrieben werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass auch Dienstleister betroffen sein können. Entscheidend ist nicht die Branche, sondern die nachvollziehbare Prüfung, ob und in welcher Form der Klimawandel die Fähigkeit der Organisation beeinflussen kann, ihre Dienstleistungen zuverlässig und in der erwarteten Qualität zu erbringen.

Auch generell wirkt es wie eine kleine Anpassung in den Dokumentationen. So werden nur die Kapitel 4.1 (Kontext der Organisation) und 4.2 (Bedürfnisse und Erwartungen interessierter Parteien) ergänzt. In unserer Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Ergänzung weitreichendere Auswirkungen hat. 

Ein Praxisbeispiel: «Wir sind Dienstleister und haben doch gar nichts mit Klimawandel zu tun.»

Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung. Die Norm verlangt nicht, dass jedes Unternehmen eine Klimastrategie entwickelt, Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht oder CO₂-Neutralität anstrebt.

Gefordert wird vielmehr eine nachvollziehbare Bewertung, ob und in welcher Form der Klimawandel für die Organisation relevant ist.

Die passendere Frage lautet:  «Kann der Klimawandel unsere Fähigkeit beeinflussen, Produkte und Dienstleistungen zuverlässig bereitzustellen?»

Nicht relevant für Dienstleistung." - ist keine Lösung in Zertifizierungsaudits

«Wir sind Dienstleister und können den Punkt sicherlich als nicht relevant ausschliessen.» Diesen Satz hören wir von Fachleuten hin und wieder. Also fragten wir unser  Auditor:innen-Netzwerk, was denn ihre Erwartung ist. Sie würden keine Klimaexperten erwarten, jedoch, dass die Unternehmung verantwortungsvoll eine Bewertung vornimmt und nachvollziehbar die inhaltliche Auseinandersetzung dokumentiert ist. Da haben wir es also unausgesprochen, die gute alte Systematik ist gefragt. Wie kritisch sie diese Punkte prüfen und insbesondere mit welchen Leitfragen, sind hier zu finden:  

  • Wurde die Relevanz von Klimawandel überhaupt geprüft?
  • Gibt es eine nachvollziehbare Begründung?
  • Sind relevante Themen in die Risiko- und Chancenbetrachtung eingeflossen?
  • Wurden Anforderungen von Kunden, Behörden oder anderen Stakeholdern berücksichtigt?
  • Spiegelt sich das Thema in der Managementbewertung wider?

Dienstleistungen

Für Dienstleistungsunternehmen sind bspw. folgende Einflussfaktoren denkbar. In Workshops wird also reflektiert und beurteilt, was das Unternehmen dafür schon macht oder neu machen kann. 

  • Veränderte Kundenanforderungen: Kunden verlangen zunehmend Nachweise zu Nachhaltigkeit, Klimarisiken oder Umweltleistungen bei Ausschreibungen und Vergaben.
  • Regulatorische Vorgaben: Neue gesetzliche Anforderungen oder Berichtspflichten können zusätzliche Nachweise, Prozesse oder Kontrollen erforderlich machen.
  • Verfügbarkeit von Personal: Hitzewellen, Extremwetterereignisse oder veränderte Erwartungen an Arbeitgeber (im Bau, Landwirtschaft, Bahn etc.)  können die Gesundheit, Verfügbarkeit und Gewinnung von Mitarbeitenden beeinflussen.
  • Stabilität von IT- und Infrastrukturpartnern: Ausfälle von Rechenzentren, Cloud-Diensten, Energieversorgern oder Telekommunikationsanbietern können die Leistungserbringung beeinträchtigen.
  • Klimabedingte Störungen von Standorten und Lieferketten: Extremwetter, Überschwemmungen oder Transportprobleme können die Erreichbarkeit von Standorten sowie die Verfügbarkeit von Dienstleistungen und Lieferanten beeinträchtigen.
Eine sinngemässe Aussage wie «nicht relevant weil Dienstleister» genügt daher nicht  mehr. Entscheidend ist die Herleitung. 

Wie macht man diese Einschätzung?

«Im nächsten Strategie-Review mit Führungskräften können wir den Punkt vertiefen.» lautet meist die Annahme unserer Kunden.

Unsere Erfahrung zeigt jedoch einmal mehr, dass die Qualität der Analyse deutlich steigt, wenn Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen und hierarchieübergreifend einbezogen werden: Risikomanagement, Produktion, Einkauf, Logistik, Vertrieb, Qualität, Arbeitssicherheits-/Umweltbeauftragte und Führung sehen unterschiedliche Risiken und Chancen.

Dadurch entsteht nicht nur eine auditfähige Bewertung, sondern auch ein realistisches Verständnis für die Zusammenhänge innerhalb der Organisation – ohne in der Abteilungsdenke stecken zu bleiben.

So erkennen unsere Auftraggebende Zusammenhänge, die manchmal schon heute Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit hatten, sie jedoch nicht im Fokus hatten. Typische Beispiele sind:

  • Lieferengpässe durch Extremwetterereignisse 
  • steigende Energie- und Betriebskosten
  • veränderte Kundenanforderungen
  • Anforderungen aus öffentlichen Ausschreibungen
  • Anforderungen von Investoren oder Muttergesellschaften
  • Risiken für Infrastruktur, Gebäude oder Standorte

Interessanterweise führen die Workshops selten dazu, dass Unternehmen plötzlich umfangreiche Klimaprogramme starten – auch budgettechnisch ist der Punkt oft nicht eingeplant.  

Viel häufiger entsteht ein anderes Ergebnis: Der Klimawandel wird damit weniger als Umweltfrage betrachtet, sondern als typischer Einflussfaktor auf Qualität der Leistung und Ergebnisse auf dem Markt, Lieferfähigkeit und Unternehmenserfolg.

Als Erfolg beeinflussendes Thema und nicht reiner Auditpunkt verstehen 

Wer die neue Anforderung ausschliesslich als Auditpunkt betrachtet, übersieht damit ihren eigentlichen Nutzen. Die Anforderung schafft einen Anlass, um strategische Risiken und Veränderungen im Umfeld durchgängig zu denken und zu reflektieren. Damit alle Teilnehmenden das abstrakte Thema verstehen können, empfehlen wir mit einfachen Leitfragen wie die folgenden zu arbeiten: 

  • Welche Entwicklungen beeinflussen unser Geschäftsmodell?
  • Welche Anforderungen kommen auf uns zu?
  • Wo entstehen neue Risiken?
  • Wo entstehen neue Marktchancen?

Die neue Klimawandel-Anforderung der ISO 9001:2026 ist weniger komplex, als viele zunächst befürchten. Gleichzeitig verlangt sie mehr als eine formale Notiz im Managementsystem.

Entscheidend sind eine nachvollziehbare Bewertung, eine saubere Herleitung und die Integration in bestehende Führungs- und Managementprozesse.

Die Organisationen, die aktuell am meisten von der neuen Anforderung profitieren, betrachten sie nicht als Umweltprojekt. Sie nutzen sie als Anlass, ihr Umfeld bewusster zu analysieren, Risiken und neue Chancen vorausblickend  zu erkennen und ihre Organisation robuster aufzustellen.

Genau darin liegt der eigentliche Mehrwert der kommenden Normrevision.

Und was tun mit den Workshop-Ergebnissen? 

Je nach Branche landen nach unseren Praxiserfahrungen, ca. 70–80 % der Workshop-Ergebnisse in den Kapiteln 4.1, 4.2, 6.1 und 9.3. Die übrigen Kapitel werden nur dann angepasst, wenn aus der Analyse konkrete Risiken, Ziele oder Prozessänderungen entstehen. Dadurch bleibt die Umsetzung pragmatisch und gleichzeitig auditsicher. Wichtig bleibt: das man an der Zertifizierung zusammenhängend die Herleitung und die Ergebnisse aus dem Workshop (ungesucht) aufzeigen kann.  

 

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Steht bei dir die Vorbereitung auf die ISO 9001:2026 an oder möchtest du die Auswirkungen des Klimawandels auf dein Unternehmen systematisch bewerten? In unseren Workshops und Beratungsprojekten entwickeln wir gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitenden tragfähige und auditfähige Lösungen. Kontaktiere uns unverbindlich – wir zeigen dir gerne konkrete Vorgehensweisen aus der Praxis.

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Zehra Sirin

Beraterin & Dozentin & Founder mit Themenschwerpunkt Leadership & Kulturwandel, Veränderungsprozesse

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