Ein kleiner Faktencheck
Nicht, dass Qualitätsmanagement nicht schon oft genug missverstanden würde. Doch kaum bewegt sich die ISO 9001 in Richtung einer neuen Revision, gerät auch das Internet in Bewegung – und zwar meist etwas schneller als die Fakten. So kursieren bereits zahlreiche Aussagen, die dem aktuellen Stand nicht entsprechen, aber bestens geeignet sind, Vorbereitungsprojekte unnötig aufzublähen. Also räumen wir mit ein paar wahren Fakten auf.
1. Das ist eine grössere Norm-Revision»
Nein. Die Revision ist vergleichsweise zur letzten Normrevision 2015 nicht mit dem Umbau von 2008 auf 2015 vergleichbar. Die bekannte Kapitelstruktur bleibt erhalten. Also: Renovation ja, mit Tiefe ja und mit wenig «Schleichwege» .
2. Der Klimawandel kommt 2026 neu hinzu
Nein. Diese Anforderung gilt bereits seit Februar 2024 durch das Amendment 1:2024 und ist seither auch schon Auditgegenstand und wurde durch Zertifizierungsstellen geprüft. Mit der Ausgabe 2026 wird sie lediglich direkt in den Normtext integriert.
Wer bis dahin wartet, ist nicht früh dran, sondern rund zwei Jahre zu spät.
3. Nachhaltigkeit wird umfassend in die ISO 9001 aufgenommen
Nein. Die Norm verlangt, die Relevanz des Klimawandels im Kontext der Organisation zu bewerten. Eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie oder -berichterstattung wird daraus nicht.
Dafür gelten – sofern anwendbar – andere Vorgaben wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und die entsprechenden Berichtsstandards.
4. Das Risikomanagement wird deutlich konkreter
Nein. Eine formale Risikomatrix, ein Risikoregister oder eine bestimmte Methode werden weiterhin nicht vorgeschrieben.
Excel darf also so genau bleiben, wie sie bisher war.
5. Wir müssen unsere gesamte Dokumentation neu aufbauen
Nein. Die Anforderungen an dokumentierte Informationen werden nicht grundlegend neu erfunden. Ein QM-Handbuch bleibt freiwillig und bestehende Dokumente dürfen selbstverständlich weiterleben – vorausgesetzt, sie passen weiterhin zum System und zur Praxis.
Die Norm verlangt ein wirksames QMS, keinen neuen Ordnerfriedhof.
6. Bis 2029 haben wir Zeit
Möglicherweise rechnerisch – aber die endgültigen Übergangsregelungen werden erst mit der neuen Ausgabe verbindlich festgelegt. Praktisch richtet sich die Umstellung zudem nach dem eigenen Auditzyklus. Und gegen Ende einer Übergangsfrist werden Termine bei Zertifizierungsstellen erfahrungsgemäss nicht zahlreicher.
Die ISO 9001:2026 bringt Veränderungen, aber keinen Systemneubau. Wer jetzt sachlich prüft, was wirklich betroffen ist, kann gezielt vorbereiten – ohne Hektik, Aktionismus und vorsorglich zwölf neue Formulare. Auch, weil manche Zertifizierungsstellen erst ab Januar 2026 für die neue Norm akkreditiert werden und vorher keine Zertifizierungen nach der neuen Norm durchführen dürfen.
Wer jetzt sachlich prüft, was wirklich betroffen ist, kann gezielt vorbereiten – ohne Hektik, Aktionismus und unnötige neue Formulare.
Entscheidend ist die finale Norm – und nicht die lauteste Überschrift im Netz.
